
Werner Wirth, 63 Jahre, ist gelernter Metzgermeister und vertritt in bereits drei Büchern kontroverse Ansichten (siehe unten). Bevor Werner Wirth 1991 die «We Wi Marketing und Schulung» in Urtenen/Bern gründete, war er während 14 Jahren im Kader eines Schweizer Grossunternehmens tätig. Sein Gebiet reichte von der Beschaffung der Ware, über die Ausbildung der eigenen und fremden Mitarbeiter, die Angebots- und Absatzplanung so wie die Durchführung von Konsumenteninformationen bis zur Mitarbeit in internen und externen Arbeitsgruppen.
Seine wahre Berufung ist jedoch das möglichst schonende Garen von Fleisch bis zu einer Zartheit, die sonst kaum zu erreichen ist. Deshalb müssen gemäss Wirth einige Irrtümer bei der Lagerung und Zubereitung von Fleisch korrigiert werden; dabei handelt es sich seiner Meinung nach u. a. um die folgenden Fehlannahmen:
Alles falsch? Und welche Lösungsvorschläge hat Werner Wirth für diese Misere?
Ganz einfach, sagt er und listet folgende Punkte auf:
«Das sind noch sehr zurückhaltende Vorschläge!», sagt Werner Wirth zu dieser Auflistung. Der neue Ansatz heisse, das Fleisch «zu managen und zu verwöhnen». Es sei am Anfang aufwändiger, danach jedoch habe man es rasch intus. Er gehe so vor, sagt Werner Wirth: «Ich führe die Leute langsam vom Mainstream der alten Zöpfe weg und beweise am Ende alles mit einer Degustation.» In einem Satz zusammengefasst bringt Wirth seine Philosophie auf den Punkt: «Behandeln Sie Fleisch wie Ihren Lebenspartner. Den macht man ja auch nicht hässig und erzeugt Spannung, wenn man einen schönen Abend verbringen will. Wer Fleisch in eine heisse Bratpfanne legt, erzeugt Spannung und Druck. Das ist alles andere als sanft!»
Professor Dr. Karl-Otto Honikel, ehemaliger Institutsleiter an der Deutschen Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Kulmbach/Deutschland, beurteilte im Rahmen des Symposiums die Garmethode aus wissenschaftlicher Sicht. Seine Ansicht war, dass die neue Garmethode «sanft garen» (sie hat nichts mit dem herkömmlichen «Niedergaren», also Garen bei niedrigen Temperaturen zu tun) vom Fleisch aus betrachtet eigentlich logisch sei und die Erkenntnisse der Wissenschaft konsequent umgesetzt würden. Wer zartes Fleisch wolle, müsse ihm durch Wärme Gelegenheit geben, es zu werden. Und wer saftiges Fleisch und damit Genuss wolle, müsse dazu schauen, dass das Wasser im Fleisch bleibt. Beides gelinge gut mit Wirths Methode des «sanften Garens».
Andreas Mathys, bis 2007 Lebensmittelinspektor im Kanton Aargau, hatte am Symposium die Aufgabe, Wirths Äusserungen aus der für die anwesenden Gastronomen elementaren Sicht der Lebensmittelkontrolle zu betrachten. Der Gesetzgeber hat bei der Revision der Gesetze mit Artikel 29, Absatz 3 in der Hygiene-Verordnung eine Türe für neue Zubereitungsarten offen gelassen. Da das Fleisch bei der Reifung durch eine säurehaltige Marinade geschützt wird, kann dies als Beginn der Zubereitung bezeichnet werden und ist somit gesetzeskonform. Der Anwendung von Wirths Grundsätzen, so unorthodox sie wirken mögen, steht im gastronomischen Alltag also nichts entgegen. «Alle meine Grundsätze sind auch für die Gastronomie anwendbar!», bekräftigt Wirth. Es ist jedem überlassen, das selbst auszutesten – man wird einige spannende Erlebnisse machen können.
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