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Sandra Nauer

Jungköchin, du musst wandern…

Sandra Nauer ist heute Chef de partie in der Küche der Brasserie Schiller in Zürich. 2009 stand sie im Final des LCDJ-Kochwettbewerbs. Sie hat seither für mehrere Arbeitgeber gekocht – allerdings nie fernab ihrer Heimatstadt Zürich.

«Als junge Köchin muss man herumkommen», sagt Sandra Nauer. Seit ihrer Lehre hat sie nur befristete Stellen angenommen – für jeweils 12 Monate. «Man kommt nicht weit, wenn man den erstbesten freien Job akzeptiert und dann jahrelang dort bleibt», sagt die geborene Zürcherin. Und fügt an: «Nicht immer ist der einfachste Weg auch der beste.»

Ihr persönlicher Weg hat sie in den letzten zwei Jahren vom «Roten Kamm» in Gockhausen über das «Sonnenberg» am Zürichberg ins «Schiller» beim Bellevue geführt. Letzteres ist ein Betrieb der Candrian-Gruppe – bekannt von der Zürcher Hauptbahnhof-Gastronomie.

Überall etwas dazulernen

Sie hat hier keine schlechte Position als Chef de partie in der Patisserie: «Für die Dessertkarte bin ich verantwortlich.» Ist es denn anders, in einer Gastrogruppe zu arbeiten als in einem Einzelbetrieb? Sandra Nauer verneint: «Erstens wird bei Candrian jedes Lokal wie ein eigenes Restaurant geführt, zweitens hat das «Schiller» sieben Tage die Woche geöffnet. Freie Sonntage oder regelmässige Freitage liegen da wie überall selten drin.»

Davor arbeitete Sandra Nauer im «Sonnenberg», der Kantine der FIFA unter 15-Punkte-Koch Jacky Donatz. Dort konnte sie ihre Kreativität ausleben: «Die Amuse-Bouche durfte ich praktisch im Alleingang kreieren.» Erst im Nachhinein sei jeweils über die hingezauberten Gerichte diskutiert worden, was für sie einen wertvollen Lerneffekt hatte.

Und zuvor? «Im ‹Roten Kamm›, einem Lokal, das auf Poulet spezialisiert ist, war ich froh, nur ausführen zu müssen. Schliesslich stand ich damals noch am Anfang meiner Laufbahn», erinnert sie sich.

Job und Freizeit

Trotz ihres verantwortungsvollen Jobs findet Sandra Nauer die Zeit, um ihren verschiedenen Hobbys nachzugehen. Sie klettert leidenschaftlich gern: «Lieber draussen in den Bergen als in der Halle.» Zudem ist sie musikalisch sehr vielseitig, spielt Saxophon, Querflöte, singt immer mal wieder an Jam-Sessions und probiert sich derzeit sogar im Klavierspielen: «Das mache ich im Selbststudium», sagt sie.

Kein Wunder, kommt es selten vor, dass sie daheim auch noch kocht. Wenn sie aber zu Hause am Herd steht, dann richtig. Dann seien Mehrgänger mit passender Weinbegleitung angesagt. Oder Ossobucco. Oder Schokolade, einer der Genüsse, denen sie nicht widerstehen kann.

LCDJ-Starthilfe

Die 22-Jährige war 2009 Finalteilnehmerin beim LCDJ-Kochwettbewerb.
Ihre ersten zwei Arbeitgeber hatten sich jeweils schon vor dem Bewerbungsgespräch über sie informiert und wussten über ihre Teilnahme am Nachwuchswettbewerb von «Schweizer Fleisch» Bescheid. Es wurde stets als gute Referenz gewertet. «Das zählte was.» Auch, dass sie als Finalteilnehmerin an den Bocuse d`Or durfte, als Helferin des Teams Norwegen, gehört zu ihren positiven Erfahrungen. Sandra Nauer erinnert sich gut: «Die Mannschaft aus dem Norden war dermassen eingespielt, dass ich bloss Kaffee servieren und abwaschen durfte.» Noch heute habe sie Kontakt mit dem damaligen Teamchef. «Er hat mich nach Norwegen eingeladen, aber ich habs bisher noch nicht dahin geschafft.»

Offen für vieles

Herumkommen wolle sie, hat Sandra Nauer  gesagt. «Ich bin ein Stadtmensch und fühle mich in Zürich zu Hause. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass meine nächste Station irgendwo im Ausland sein wird. Oder in einer kleinen Gourmet-Küche irgendwo auf dem Land.» Natürlich immer mit der Option auf Rückkehr –  sie sei halt schon hier verwurzelt, auch wenn ein fester Freund oder der künftige Vater ihrer Kinder noch nicht gefunden sei. «Aber ich kann mir gut vorstellen, mal eine Familie zu haben und nebenher einen kleineren Gastrobetrieb zu führen, zum Beispiel ein Café. Aber eben, das ist Sandra Nauer nach nur drei Wanderjahren klar geworden: Wissen kann man das nie so genau.