Mehr als ein Biker-Treff

Im Ace Cafe in Rothenburg bei Luzern dreht sich alles um Autos, Motorräder und Rock’n’Roll. Und um gutes Essen. Die von der englischen und der amerikanischen Küche inspirierte Karte macht nicht nur Biker-Herzen glücklich. Beim Fleisch setzt der charismatische Geschäftsführer Dany Kunz jedoch konsequent auf die Schweiz.

Es gibt das klischeehafte Bild vom idealen Schwiegersohn. Und dann gibt es Männer wie Dany Kunz. Die Arme voller Tattoos, das Gesicht behaart, der Pick-up-Truck riesengross, die Jacke im Holzfäller-Stil. Nein, wie der brave Buchhalter von nebenan sieht dieser Mann nicht aus. Aber das ist er ja auch nicht. War er nie. In seiner ersten Karriere arbeitete Kunz als Senior Brand Manager des Kräuterlikörs Jägermeister; das Hirsch-Tattoo auf seinem linken Arm erinnert ihn noch heute täglich daran. Vor rund zwei Jahren verabschiedete sich Kunz jedoch von der Spirituosenbranche, um fortan «sein eigenes Ding durchzuziehen», wie er sagt.

Im Sommer 2015 war es so weit: Der Autound Motorradfan – Kunz nennt gleich fünf Töffs sein Eigen – eröffnete das Ace Cafe in Rothenburg. Wie beim gleichnamigen Vorbild in London dreht sich auch in dem Lokal in der Nähe von Luzern alles um «Motorcycles, Cars & Rock’n’Roll». Das beginnt bei der Einrichtung, die im coolen Industrie-Stil daherkommt, und geht weiter mit den Männern und Frauen hinter dem Tresen, die fast alle so aussehen, als hätten sie ihre Harley oder den Muscle Car direkt vor dem Restaurant geparkt.

Auch die Besucher fallen auf. «Petrolheads», nennt Kunz sein Stammpublikum. Doch das sind längst nicht die einzigen Gäste. «Ob Büezer, Geschäftsleute, Töfflibuben oder Senioren – im ‹Ace› sind alle willkommen», betont der Chef. So kann es durchaus vorkommen, dass an einem Tisch ein tätowierter Rocker mit einer Motorradkutte sein Feierabendbier geniesst, während sich nebenan eine Familie mit kleinen Kindern auf eine Runde Burger freut. Kunz glaubt deshalb, dass das «Ace» gar eine Pionierrolle übernehme und mithelfe, Vorurteile abzubauen.

Internationales Angebot, regionale Zutaten

Selbstverständlich passt auch die Speisekarte zum Konzept: Sie bietet neben Fish’n’Chips zum Beispiel auch «Rockers Dog» mit hausgemachter Sauce, Krautsalat, Gurkenrelish und Röstzwiebeln – und natürlich verschiedene Bio-Burger. Wer’s etwas leichter mag, bestellt den Caesar Salad mit Poulet. Bei den Gästen besonders beliebt ist zudem das deftige «English Breakfast», das immer am Wochenende serviert wird. So international das kulinarische Angebot, so regional sind die Zutaten. Schnell ist zu spüren, dass er bei diesem Thema nicht mit sich diskutieren lässt. Zu Beginn sei es vorgekommen, dass sich Gäste über den Burger-Preis (zwischen 23 und 29 Franken) beschwert hätten. Kunz blieb hart. Weil das regionale Fleisch nun mal mehr kostet – und weil er überzeugt ist von seinem Konzept: «Unsere Burger sind top! Wer nicht bereit ist, dafür 5 Franken mehr zu bezahlen, kann sich beim schwedischen Möbelhaus nebenan einen Hot Dog für einen Franken kaufen.»

Doch dem Geschäftsführer geht es nicht nur um den Geschmack. «Ganz zuoberst kommt für mich das Tierwohl.» Auch deshalb bestellt er einen grossen Teil seines Fleisches vom Bio-Hof Burgrain im luzernischen Alberswil. «Ich weiss, dass es die Tiere dort gut haben, und bin deshalb bereit, deutlich mehr zu bezahlen.» Poulet aus Ungarn, Rindfleisch aus Argentinien? Für Dany Kunz ein No-Go. Diese konsequente Philosophie wurde an den diesjährigen Best of Swiss Gastro Awards mit der Auszeichnung «Wir setzen auf Schweizer Fleisch» honoriert, die «Schweizer Fleisch» 2014 ins Leben gerufen hat. Das regionale Bewusstsein endet bei Kunz jedoch nicht beim Fleisch: Das Brot kommt vom Bäcker aus dem Dorf, der Parkettboden stammt aus einem Ballsaal in Triengen, den Eistee bezieht er von einem Hersteller aus der Region Zürich.

Tschaikowski für die Ohren

Das Konzept geht auf. Besonders mittags und an den Wochenenden ist das Ace Cafe stets gut besucht. Fast jedes Wochenende wird das Restaurant zudem zu einem grossen Treffpunkt für Auto- und Motorradfans unterschiedlichster Herkunft. Ob Oldtimer-, Ami-Car, Vespa- oder Harley-Fans: Rund 120 Veranstaltungen finden jährlich im Ace Cafe statt. An Spitzentagen strömen bis zu 3000 Leute an einen Event. Auch deshalb achtete er bei der Suche nach der Lokalität darauf, dass rund um das «Ace» möglichst wenig Anwohner zu finden sind. Denn der Geschäftsführer weiss: «Was sich in meinen Ohren wie Tschaikowski anhört, empfinden andere als Lärm.» Beirren lässt sich Dany Kunz durch mögliche Skeptiker nicht. Im Gegenteil: Dass er mit seinem Lokal auf dem richtigen Weg ist, beweist die Bronze-Auszeichnung in der Best-of-Swiss-Gastro-Kategorie «Trend». Für Dany Kunz keine Selbstverständlichkeit, sondern «fast wie ein Ritterschlag».

Viele weitere Informationen zur Auszeichnung «Wir setzen auf Schweizer Fleisch» finden Sie hier.Zurück zur Hauptseite