Viel mehr als nur ein «Kafi»

Mit viel Herzblut und Schweiss haben sich Melanie Diem und Denise Weber den Traum vom eigenen Gastrobetrieb erfüllt. Machte sich das «Franz» zu Beginn vor allem mit Kaffee und Kuchen einen Namen, finden sich heute auch schmackhafte und regionale Fleischgerichte auf der Karte. Damit wollen die beiden Gastronominnen insbesondere auch männliche Besucher ansprechen.

Wer im Kafi & Restaurant Franz einen Tisch reservieren will, tut gut daran, dies auf die traditionelle Art zu tun. Die Gastgeberinnen Melanie Diem und Denise Weber haben nämlich keine Zeit, stundenlang am Computer zu sitzen und E-Mails zu schreiben. So steht’s auch auf ihrer Website: «Da wir die meiste Zeit in der Backstube und hinter dem Tresen verbringen, können wir Bestellungen, Stornierungen oder sonstige Angelegenheiten nicht per Mail bearbeiten. Bitte nehmt das Telefon zur Hand und ruft uns an oder kommt im ‹Franz› vorbei.»

Das hat sich auch «Messer & Gabel» zu Herzen genommen – und sich an einem sonnigen Montag auf den Weg in die Ostschweiz gemacht, um die Gastronominnen im St. Galler Linsebühlquartier zu besuchen. Hier, im ehemaligen Rotlichtmilieu, entwickelte sich im Laufe der Jahre ein attraktives Wohnquartier, das besonders bei jungen Familien beliebt ist. Es ist eine bunte Mischung, die auch Melanie Diem und Denise Weber zusagt. Auch deshalb haben sich die Freundinnen vor vier Jahren dazu entschieden, das bestehende Restaurant Morgensonne zu übernehmen, komplett zu renovieren – und als Kafi Franz neu zu eröffnen.

Mit viel Charme zum Erfolg

Es dauerte nicht lange, bis die frischgebackenen Unternehmerinnen für ihren Mut belohnt wurden. «Wir wurden komplett überrannt!», erinnert sich Melanie Diem. «Mit einem solchen Andrang hatten wir nicht gerechnet.» Wirklich überraschend ist das aber nicht – schon nach wenigen Schritten in dem Lokal ist klar: Hier hat jemand richtig viel Herzblut investiert. Das zeigt sich etwa bei der Einrichtung, die noch viel vom Charme vergangener Zeiten ausstrahlt – aber gerade genug aufgefrischt wurde, um nicht altbacken und verstaubt zu wirken.

Apropos Charme: Von diesem haben auch die Geschäftsführerinnen reichlich. Man spürt, dass Gastfreundschaft für sie nicht nur ein Wort ist, sondern tatsächlich gelebt wird. Dabei sind die beiden Unternehmerinnen, die 32-jährige Melanie Diem und ihre fünf Jahre ältere Geschäftspartnerin, Quereinsteigerinnen in der Gastro-Szene. Gekocht haben die beiden immer schon leidenschaftlich gerne, privat und bei diversen Gastro-Projekten. Im Moment steht im «Franz» Weber in der Küche, während Diem als Gastgeberin an der Front ist. Sobald zu viel Routine eingekehrt ist, wechseln die beiden ihre Rollen wieder.

Vom Café zum Restaurant

Nebst der Atmosphäre und den Gastgeberinnen gibt es noch einen weiteren, entscheidenden Punkt, der in der Gastronomie über Erfolg und Misserfolg entscheidet: das Angebot. Auch hier punktet das «Franz». Das Lokal ist viel mehr als nur ein Café. Zwar kommen nach wie vor viele Gäste wegen der selbst gebackenen Torten und Kuchen – im Laufe der Zeit haben die Betreiberinnen ihr Angebot aber stetig erweitert. Heute bietet die Karte zahlreiche saisonale Gerichte für den kleinen und grösseren Hunger. Dabei spielen – insbesondere abends – auch Fleischgerichte eine immer wichtigere Rolle. Ihr Fleisch beziehen die Frauen von lokalen Betrieben wie der Metzgerei Fuchs in Grub und dem Bauernhof Dreilinden. Bei der Auswahl der Produkte achten sie auf ein vielfältiges Angebot. «Hauptsache lokal – bei uns gibt es keine Massenware», betont Denise Weber. Diese Philosophie zieht sich im «Franz» durch das ganze Konzept. Für dieses Engagement wurde das Lokal an den Best of Swiss Gastro Awards 2017 mit der Auszeichnung «Wir setzen auf Schweizer Fleisch» ausgezeichnet. Nebst der Auszeichnung, die von «Schweizer Fleisch» 2014 ins Leben gerufen wurde, holte das «Franz» auch den 2. Platz in der Kategorie Café. «Ein wertvoller Schulterklopfer für die vielen Schweisstropfen, die wir in unseren Betrieb investiert haben», freut sich Melanie Diem.

Während im «Franz» zu Anfangszeiten vor allem schlichte Gerichte wie Eintöpfe, Suppen und Salate aufgetischt wurden, erfreuen sich die Gäste heute über anspruchsvolle Kreationen. Im Frühling gab’s zum Beispiel Zweierlei vom Kalb an Rotwein-Jus mit Bärlauchpolenta oder jetzt im Sommer einen Appenzeller Rindshuft-Spiess mit Chimichurri-Dip, Ofentomaten und Broccoli mit Kräuterquark und frischer Petersilie – serviert auf Fladenbrot. Darüber hinaus haben die Gastronominnen eine interessante Feststellung gemacht: «Je mehr Fleisch auf der Karte, desto mehr Männer im Lokal.» Die Herren spielten übrigens auch bei der Namensgebung eine Rolle: «Wir suchten bewusst nach einem bodenständigen Namen», so Diem. Sie verrät: «Den echten Franz gibt es nicht.»

Viele weitere Informationen zur Auszeichnung «Wir setzen auf Schweizer Fleisch» finden Sie hier.