Ausgezeichnete Aussichten

Wo früher Wanderer und Skifahrer mit der Gondelbahn einfuhren, erleben die Gäste heute kulinarische Höhenflüge. Die Karte im Restaurant Chetzeron hoch über Crans-Montana punktet nicht nur mit Kreativität, sondern auch mit auserlesenen Zutaten. Auf den Teller kommt fast nur, was aus der Region stammt – und mit viel Leidenschaft selber produziert wurde.

Das Hotel-Restaurant Chetzeron ist schon von weither zu sehen. Beinahe majestätisch steht der eindrückliche Betonbau auf einer Kuppe mitten in der wunderbaren Berglandschaft. Von Mai bis Oktober erreichen die Gäste das Haus mit einem Spaziergang ab der Bergstation Cry d’Er – oder nach einer Wander- oder Biketour ab Crans-Montana. Im Winter tragen einen die Skier direkt vor die Tür. Was in jeder Jahreszeit gleich bleibt, ist die atemberaubende Aussicht, die es hier auf 2112 Metern zu geniessen gibt. Der Blick reicht über die Alpengipfel bis ins Rhonetal, vom Matterhorn bis zum Mont Blanc.

Das heutige Viersternehotel entstand in den Grundmauern einer ehemaligen Gondelstation. Als deren Betrieb Ende der Neunziger eingestellt wurde, witterte Sami Lamaa seine Chance. «Eine solche Location findet man nur einmal.» Anstatt die Station einfach abzureissen, liess der «Chetzeron»-Gründer die komplette Gebäudehülle stehen. Wo früher die Gondeln ein- und ausfuhren, blicken die Gäste heute während des Frühstücks durch eine riesige Fensterfront hinunter ins Tal. Und wahrscheinlich ist es die ganz eigene Symbiose von Holz, Stein und modernen Elementen, die dazu führt, dass man sich als Besucher sogleich an einem James-Bond- Schauplatz wähnt. «Das höre ich immer wieder», sagt Lamaa und lacht.

Fast alles hausgemacht

So viel zur Optik. Weil wir uns im «Chetzeron» nicht nur sattsehen, sondern auch sattessen wollen, hat der Chef Lucia Cordonier dazugeholt. Die junge Frau argentinischer Herkunft leitet als Küchenchefin ein Team von zwölf Mitarbeitern. Viele Leute – aber auch viel Arbeit. «Wir machen fast alles selbst», betont Cordonier. «Von der Konfitüre bis zum Brot, von der Fonduemischung bis zum ‹Chetzeron›- Kalbsburger, von den Apéro-Chips bis zu den Trockenwürsten.» Das kommt nicht von ungefähr: Sowohl die Küchenchefin als auch Sami Lamaa sind Mitglieder von Slow Food Schweiz. Die Organisation engagiert sich für bewusstes und regionales Essen und setzt damit einen Gegentrend zum globalisierten Fastfood. Im «Chetzeron» bedeutet das: Der Ziegenkäse kommt von einem kleinen Käsehändler aus Grimisuat in der Nähe von Sitten, das Bio-Gemüse stammt aus einem Betrieb in Fully – und verschiedene Räucherwaren und weitere Trockenwürste bezieht der Betrieb bei der Boucherie La Lienne in Lens.

Und damit nicht genug: Fast wöchentlich zieht Lucia Cordonier durch die umliegenden Dörfer, um neue Produkte zu entdecken. Das regionale Bewusstsein führt dazu, dass ihre Gäste auch mal auf ein Gemüse, eine Frucht verzichten müssen, weil diese gerade nicht verfügbar sind. Auch beim Fleisch geht das Restaurant keine Kompromisse ein. Ob Lamm, Rind, Poulet oder Schweinefleisch: Fast jedes Stück Fleisch, das im «Chetzeron» auf dem Teller landet, stammt aus dem Wallis oder aus einem nahe liegenden Kanton. Die konsequente Philosophie hat dazu geführt, dass das «Chetzeron» jüngst nicht nur in der Best-of-Swiss-Gastro-Kategorie «Activity« ausgezeichnet wurde, sondern auch mit der Auszeichnung «Wir setzen auf Schweizer Fleisch» von «Schweizer Fleisch».

Schnipo? Nix do!

Keine Frage: Wer im «Chetzeron» einkehrt, erlebt, dass es auch in den Bergen Alternativen zu Schnipo und Hörnli mit Gehacktem gibt. Mittags geniessen die Gäste zum Beispiel die mit selbst gepflückten Hagebutten marinierten Sparerips vom Schwein mit Süsskartoffeln und saisonalem Gemüse. Oder Weisswürste mit Rösti und Gemüse – alles hausgemacht, natürlich.

Lucia Cordonier verknüpft häufig und gerne traditionelle Gerichte mit modernen Ansätzen. Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb das «Chetzeron» zu Beginn auch auf Skepsis stiess. Insbesondere die einheimische Bevölkerung reagierte mit Zurückhaltung auf das neue Restaurant. «Zu Beginn hatten wir den Ruf, ein nobles Haus für reiche Gäste zu sein», erzählt Sami Lamaa. Mittlerweile habe sich jedoch herumgesprochen, dass dies nicht der Tatsache entspreche. «Es brauchte etwas Zeit, doch mittlerweile dürfen wir immer häufiger Gäste aus der Umgebung begrüssen. » Und: Wer einmal da war, kehrt mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zurück. Die tolle Aussicht mag ein Grund dafür sein. Aber sicher nicht der einzige.

Viele weitere Informationen zur Auszeichnung «Wir setzen auf Schweizer Fleisch» finden Sie hier.