2014: Feedback von Micha Schärer

Der zweifache LCDJ-Finalist Micha Schärer verfolgt eine ganz eigene Karriere und setzt sein Talent sehr erfolgreich in den Medien ein. Im Gespräch verrät er uns, wie er es anpackt.

Micha Schärer: Mit Energie auf Kurs

Mit erst 25 Jahren hat er bereits zwei Bücher herausgegeben, verfügt über ein beneidenswertes Kontaktnetz und ist einer der bekanntesten Exponenten der jungen Schweizer Kochszene. Ein Gespräch mit Micha Schärer gibt Aufschluss über den aktuellen Stand seiner Tätigkeiten.

Gleich zweimal nacheinander hatte Micha Schärer 2008 und 2009 den Final des LCDJ-Kochwettbewerbs erreicht. Schon damals sah er aber seine Zukunft nicht an den Herdplatten, sondern in den Medien.

Das hat der ebenso sportliche wie fotogene Koch erfolgreich geschafft. Heute tritt er für verschiedene Kunden an Grossanlässen auf, kreiert Rezepte für Verlagshäuser und hat ein so gut gefülltes Auftragsbuch, dass er einen Manager für die Organisation braucht. Wir haben mit Micha über den aktuellen Stand seiner Karriere gesprochen.

Micha Schärer, wobei stören wir dich gerade?

Im Moment promote ich den Cooking Chef in einem Einkaufszentrum. Das ist eine Art Thermomix für zu Hause. Der Hersteller hat mich als Produktbotschafter engagiert, um diese Neuheit potenziellen Kunden mit meinem Koch-Know-how näherzubringen. Zu meinen Aufgaben gehören die Produktion von Videos fürs Internet, Auftritte an Messen und eben die Promotion in Warenhäusern, wo ich die Vorteile des Gerätes erkläre und demonstriere.

Du bist gelernter Koch. Wie gross ist der Anteil an deiner Arbeit, der noch mit eigentlichem Kochen zu tun hat?

Ich stehe nur noch sehr selten am Herd. Ab und zu bin ich bei einem Catering dabei. Die meiste Zeit brauche ich für unterschiedliche Kunden, die ich an Events repräsentiere und für die ich Rezepte entwickle. Zum Beispiel für den Molkereikonzern Emmi und dessen Produkt QimiQ. Oder für die Brauerei Carlsberg mit ihrem Apfelwein Somersby. Hier bin ich für die Lancierung engagiert und habe den Auftrag, dem Produkt ein kulinarisches Image zu verleihen.

Und dann gibt’s natürlich «Schweizer Fleisch». An den Messen BEA, Olma, Zagg und Igeho moderiere ich Kochshows und stelle dem Publikum spezielle Gerichte vor. Meistens versuche ich, althergebrachte, in Vergessenheit geratene Rezepte aktuell und gluschtig zu interpretieren – zum Beispiel eine Schweinshaxe mit Aprikose und Cashewnüssen. Meine Vorschläge sollen den Profis neue Zubereitungsarten nahebringen und den normalen Konsumenten den Respekt vor der Fleischzubereitung nehmen.

Das klingt nach einer ziemlich vollen Agenda. Lässt sich das alleine stemmen?

Nein! Das Bürokratische ist nicht meine Stärke. Darum habe ich einen Manager engagiert, der meine ganzen Termine und das Vertragswesen verwaltet. Er ist ein Profi und tut das Gleiche auch für andere Persönlichkeiten – speziell aus der Welt des Sports. Auf diese Weise kann ich mich ganz meiner Arbeit widmen und das tun, was ich gut kann: kochen, kreieren und präsentieren. Oder neue Projekte starten wie zum Beispiel eine Kochkolumne zur Fussball-WM, die auf blick.ch und einmal wöchentlich im «Blick am Abend» erscheint.

Die Schweiz ist ein kleines Land und hat schon einige Köche, die in den Medien aktiv sind. Wo siehst du deine Nische?

Im Vergleich zu Deutschland, wo es viele wie mich gibt, ist die Schweiz kein grosser Markt. Hinzu kommt, dass unser Land mehrsprachig ist. Ich brauche hier einen eigenen Platz und setze mich keinesfalls gleich mit Leuten wie Andreas Caminada oder René Schudel, die schon etwas älter sind als ich. Um ein klares Profil zu gewinnen, versuche ich nur für Premiummarken zu arbeiten und immer eine längerfristige Zusammenarbeit anzustreben. So kann ich meinen Hauptmarkt, das deutschsprachige Mittelland sowie die Städte Genf und Lausanne am besten bearbeiten.

Welche von deinen Tätigkeiten begeistert dich am meisten?

Wirklich in meinem Element bin ich dort, wo ich ganz normale Leute an einer Kochshow für aussergewöhnliche Kreationen begeistern und zu eigener Kreativität inspirieren kann. Zum Beispiel an der BEA oder an der Olma. Es ist aber auch grossartig, mit Profis aus dem audiovisuellen Bereich an Videodrehs zusammenzuarbeiten. In der Münchner Allianz-Arena gibt es zum Beispiel eine Kochlounge. Dort war ich für die Produktion eines Videos und fand es ziemlich aufregend, das riesige leere Stadion zu erleben. Viel Freude habe ich auch an meinen Aufträgen und freien Arbeiten als Foodstylist, wo ich mein Wissen übers Kochen sogar in fotografische Kunstprojekte einbringen kann.

Du hast von Anfang an sehr auf die Medien gesetzt. Bist du in dieser Hinsicht zufrieden mit der Entwicklung deiner Tätigkeit?

Schon kurz nach meiner Zeit in der Junioren-Kochnationalmannschaft habe ich gewusst, dass ich voll auf die Medienarbeit setzen will und auch muss. Auf diesem Weg vorwärtszukommen, ist nicht immer einfach. Aber ich glaube, dass man mit Leidenschaft und Willen das Glück zwingen kann.

Was ist deine Empfehlung für ehrgeizige junge Köche, die sich für eine Tätigkeit wie deine interessieren?

Die Medien sind ein komplexes Tätigkeitsfeld und man muss auf eine langwierige Aufbauarbeit gefasst sein. Am sinnvollsten ist es, sich wie die Journalisten via die regionalen Medien hochzuarbeiten. Also zunächst bei einem kleineren Blatt Erfahrungen sammeln und dann den Weg in die nationalen Medien suchen. Niemand wird auf Anhieb bekannt und es gibt eine Menge zu lernen: über das Präsentieren, das Styling, die Arbeit mit Licht und vieles mehr. Auch Rückschläge müssen verkraftet werden können. Heute würde ich wahrscheinlich – um bekannt zu werden und gleichzeitig Erfahrungen zu sammeln – einen eigenen Channel auf Youtube lancieren. Aber auch hier gilt vor allem eines: Man muss eisern dranbleiben, um etwas aufzubauen.

Michas eigene Website: www.michaschaerer.ch