2014: Simon Adam

2007 gewann Simon Adam den Kochwettbewerb von «La Cuisine des Jeunes». Heute führt er zwei Restaurants, ein Cateringunternehmen und berät ein Restaurant in Brasilien. Hier steht, wie der junge Unternehmer mit Energie und Ideen die Welt erobert.

«Ich habe viel riskiert und viel gewonnen.»

Simon Adam hat ein Flair für die effektvolle Inszenierung. Nie hat er sich darauf beschränkt nur zu kochen, wie er es im Gstaader «Palace» lernte. Deshalb kam er bei seiner Arbeit im Restaurant des Schauspielhauses Winterthur auf die Idee, ein eigenes Cateringunternehmen der besonderen Art zu gründen. Es heisst «Essen & Kunst» und ist heute das angesagteste Gastrokonzept Winterthurs, wie der gastro-tipp.ch feststellt. Mit an Bord hat er dafür den Tänzer und Fotografen Oliver Malicdem genommen, der für die Kunst zuständig ist.

In einem nächsten Schritt eröffnete Simon dann im vergangenen Juni sein Restaurant Beckenburg Essen & Kunst in Schaffhausen. Und noch bevor die ersten Gäste seine Küche ausprobieren konnten, unterschrieb er den zweiten Pachtvertrag für ein Restaurant. Der «Bären» steht nicht etwa um die Ecke in der Ostschweiz, sondern in Langnau im Emmental. «Ja, manche haben sich an den Kopf gegriffen, als sie davon hörten», lacht Simon Adam über diese turbulenten Tage. «Aber ich hatte ein gutes Gefühl und ich glaube an das Konzept von ‹Essen & Kunst›. Also schlug ich zu.»

Begnadeter Networker

Wir unterhalten uns mit Simon, nachdem er eben von Brasilien zurückgekehrt ist. Er machte diese Reise, weil ihn ein Restaurantgast dazu eingeladen hatte. Aber nicht für Ferien, denn: «Mein Gast besitzt ein Schweizer Restaurant in der Hauptstadt Brasilia, dessen Chefkoch etwas Beratung nötig hatte.» Kurzerhand entschloss sich Simon, die Einladung anzunehmen und sich ein paar Tage Zeit dafür zu nehmen.

Von einem Gast kam seinerzeit auch der Vorschlag, die «Beckenburg» zu übernehmen. Dieses Lokal stand über ein Jahr lang leer, weil die Vorpächter keine Perspektiven mehr darin sahen. Das tönt nicht besonders ermutigend, aber seit Simon mit seinem «Essen & Kunst» dort präsent ist, füllt sich die «Beckenburg» von Donnerstag bis Samstag. Nicht nur mit den Werken junger Fotografen und Künstler, sondern vor allem auch mit glücklichen Gästen.

Fast gleichzeitig erhielt Simon von einem Freund aus dem Emmental das Angebot, dem sanft renovierten, aber seit Jahren unbesetzten «Bären» in Langnau neues Leben einzuhauchen. «Dieser Kontakt ist zustande gekommen, weil ich viele Jahre am Jazzfestival Langnau fürs Catering verantwortlich war. Mit dem Veranstalter Walter Schmocker ist dabei eine gute Freundschaft entstanden und er stand auch hinter der Renovation des ‹Bären›», erzählt Simon.

Viel Arbeit und viel Erfolg

Simon hat sich sofort für den «Bären» begeistert. Gleichzeitig sei ihm aber klar gewesen, dass daraus viel zusätzliche Arbeit entstehe. Um diese erfolgreich zu bewältigen, schickte er Sabine Vogt als Geschäftsführerin und seinen Freund Kevin Wüthrich als Küchenchef ins Emmental. Die beiden kennen sich von einem früheren gemeinsamen Posten im «Schloss Wülflingen».

Die Kulinarik im «Bären» bezeichnet Simon als bodenständig und preiswert «mit Pfiff», während er in der «Beckenburg» das mittlere bis obere Segment anspreche. Zugänglichkeit für alle sei ihm jedoch an beiden Orten wichtig. «Die Lokale sind derzeit sensationell erfolgreich. Ich widme mich heute während zwei Tagen dem ‹Bären› und während drei der ‹Beckenburg›. Parallel dazu stemme ich noch das Catering.»

Simons Geschäftspartner Oliver Malicdem sucht derweil in der ganzen Schweiz nach jungen Zauber- und Tanztalenten, um den Kundenanlässen von «Essen & Kunst» ihr unverwechselbares Cachet zu geben. Positiver Nebeneffekt: Ist einmal eine etwas ruhigere Woche absehbar, kann mit eigenen Anlässen für Aufsehen gesorgt werden. So holt man dann wieder neue Gäste ins Haus.

Energie ohne Ende

Simon Adam wird wohl auch in Zukunft mit seiner Kreativität und seiner offenbar unerschöpflichen Energie überraschen. Ein Besuch in seinen beiden Lokalen ist aber nicht nur wegen ihm ein schönes Erlebnis, sondern auch wegen seines Könnens als Koch und seinem guten Gefühl für wertvolle Ausgangsprodukte. Seinen Gästen setzt er wenn immer möglich Schweizer Fleisch vor. Aus Verfügbarkeitsgründen macht er dabei nur beim Lamm eine Ausnahme. «Nur wo die Küche stimmt, kann man damit rechnen, dass die Gäste schon bald wiederkommen wollen», sagt Simon dazu.

Wir lernen daraus: Wer als Gastronom Erfolg haben will, muss sein Netzwerk pflegen und immer für alles offen sein. Wenn das Drumherum dann noch kreative Funken sprüht, wird aus einer Idee schnell ein echter Mehrwert. LCDJ freut sich, diesem Talent Starthilfe geleistet zu haben, und wird Simon auch weiterhin im Auge behalten.