Elisabeth Albrecht – auf kulinarischer Entdeckungsreise durch Asien.

Elisabeth Albrecht* stammt aus Süddeutschland. Sie kam in die Schweiz, um hier eine Zweitausbildung zur Köchin zu absolvieren. Mit viel Ehrgeiz, Talent und Charme machte sie bald die gesamte Gastroszene auf sich aufmerksam. Derzeit reist sie durch Asien. Mit uns hat sie von Tokio aus geskypt.

Hallo Elisabeth, wobei stören wir dich gerade?

Ausnahmsweise gar nicht! Mein kurzes Praktikum im Hotel Grand Hyatt in Tokio ist eben zu Ende gegangen und am Montag geht’s weiter nach Kyoto.

Erzähl uns von deiner Reise. Wo warst du schon, was tust du so?

Ich bin insgesamt acht Monate unterwegs. Zuerst war ich einen Monat in Thailand, dann ging’s nach Laos und Kambodscha, wo ich je zwei Wochen geblieben bin. In Vietnam war ich dann wieder einen ganzen Monat. Ich arbeite in Hotels, aber nicht nur. Es geht mir darum, die Länder kulinarisch kennenzulernen. Ich gehe also auf Märkte und in Restaurants – wobei ich natürlich auch aufs Budget schauen muss, denn diese acht Monate finanziere ich selbst.

Du scheinst Asien zu mögen. Woher kommt das?

Ich habe mich auf einer Konzertreise in Asien verliebt. Vor dem Start meiner zweiten Ausbildung zur Köchin spielte ich Saxofon und Klarinette in einer kleinen Band, die von bayrischer Volksmusik bis Filmmusik fast alles draufhatte. Wir spielten zwischen Kyoto und Osaka an unterschiedlichen Anlässen vom bayrisch inspirierten Oktoberfest bis zur festlichen Gala. Ich musste die Musik aber zugunsten des Kochens aufgeben, als ich für die Kochausbildung nach Zürich ging. Wenn man in einem Team neu anfängt, muss man den vollen Einsatz bringen.

Du hattest also schon vorher eine abgeschlossene Lehre?

Richtig, ich habe im bayrischen Regensburg eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert. Dann hatte ich den Wunsch nach einer Zweitausbildung, und ich wollte ins Ausland. Eine Lehrstelle fand ich im Zurich Marriott Hotel unter Küchenchef Marc Wolfensberger. Es gibt zwei À-la-carte-Restaurants, von denen eines thailändische Küche anbietet, das gefiel mir natürlich sehr. Insgesamt habe ich in vielen Bereichen richtig viel gelernt – auch in der Patisserie des Hauses, bei Banketten und beim Catering.

Du bist ehrgeizig und hast schon bald nach Beginn der Lehre Vollgas gegeben.

Ja, ich habe nach meiner Lehre eineinhalb Jahre im «Victoria Jungfrau» in Interlaken gearbeitet. Schon 2012 habe ich am Lehrlingswettbewerb «gusto» teilgenommen und gewonnen. Daraus entstanden neue, spannende Kontakte, zum Beispiel zum Kochverband. Und so wurde ich 2013 auch für die Junioren-Kochnationalmannschaft rekrutiert. Da bin ich übrigens gleichzeitig mit Ale Mordasini eingetreten. Ihn kannte ich schon vom «Chefs’ Circle» Zürich. Mit der Junioren-Kochnati haben wir seither schon an zwei renommierten Wettbewerben Gold geholt: beim Salon Culinaire Mondiale an der Igeho 2013 und am World Culinary Cup 2014 in Luxemburg.

Was zeichnet für dich die Schweizer Gastroszene aus?

Ich bin der Meinung, dass die Schweiz sehr weit vorn ist, was die grundlegenden Dinge wie Technik, Hygiene und Geräte angeht. Im Gegensatz dazu ist völlig unglaublich, was die Leute hier in Asien mit dem Wok als Zentrum der Küche zustande bringen. Auch die Gewürze sind faszinierend. In der Schweiz sind viele Köche etwas zurückhaltend und weniger kreativ, aus Angst, dass ein Gericht dem Gast vielleicht nicht schmecken könnte.

Wie erlebst du Schweizer Fleisch bei deiner Arbeit?

Im Ausland, namentlich in Deutschland, heisst es: «Hauptsache billig und viel!» In der Schweiz bekommt man für einen angemessenen Preis immer fantastische Qualität. Die Köche in manchen Ländern könnten sich da ruhig ein Beispiel nehmen und stärker auf Qualität setzen. Ich selbst bin ein echter Fan von Schweizer Fleisch!

Möchtest du eines Tages auch eine Familie gründen? Und falls ja, siehst du eine Möglichkeit, diese mit deinem Berufsleben zu vereinen?

Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Ich bin ja nicht nur Köchin, sondern auch Frau. In den nächsten Jahren möchte ich mich im Berufsleben genügend festigen, um ohne Probleme mal kurz aussetzen und meine Familie starten zu können. Ich habe immer eine Vision davon, was ich machen will, versteife mich aber nicht auf strikte Pläne.

* Elisabeth Albrecht ist 1990 im bayrischen Burglengenfeld geboren, macht immer noch gerne Musik und holte sich früher bei Leichtathletik und Basketball einen Ausgleich zum beruflichen Alltag. Heute reicht’s immerhin noch zum Joggen.