Anne-Sophie Taurines: als Privatköchin um die Welt

Anne-Sophie Taurines hat sich auf den Weg gemacht, die Welt zu erobern. Nach acht Jahren im Restaurant Le Rouge in Verbier hat sie sich 2016 selbstständig gemacht und ist heute als Privatköchin und Caterer erfolgreich – im Winter in Verbier, im Sommer auf Ibiza. Und wenn’s nach ihr geht, vielleicht auch schon bald in anderen Ecken dieser Welt.

Geboren ist Anne-Sophie Taurines 1988 in der Nähe von Paris und aufgewachsen im Süden Frankreichs, in der Nähe von Montpellier. Anstelle einer klassischen Kochlehre absolvierte sie das Lycée des Métiers de l’Hôtellerie in Saint-Chély-d'Apcher und holte ihren Fachhochschulabschluss (BTS Hôtellerie restauration) 2007 mit Schwerpunkt «Cuisine et Arts de la Table». Während der Ausbildung drückte sie aber längst nicht nur die Schulbank – auch Praktika gehörten dazu. Und zwar nicht irgendwo, sondern zum Beispiel beim renommierten Pariser Traiteur Dalloyau.

LCDJ: Anne-Sophie, wie schafft man als junge Abgängerin einer Hotelfachschule den Einstieg in die Berufswelt?
Anne-Sophie Taurines: Wohl gleich wie nach einer Lehre – man sucht sich eine Stelle und beginnt zu arbeiten, sich zu beweisen und Erfahrungen zu sammeln. Ich wollte auf jeden Fall so schnell wie möglich so viel wie möglich lernen. Darum habe ich Saisonstellen angenommen. Im Winter war ich während acht Jahren jeweils im «Le Rouge» in Verbier – davon fünf Jahre als Küchenchef – und im Sommer im Baskenland, in Korsika bei Julien Diaz und in Australien.

Welche Vorteile hatte es für dich, anstelle einer Lehre die Hotelfachschule zu besuchen?
Etwas, das mir sicher immer zugutegekommen ist, ist das wirtschaftliche und unternehmerische Know-how, das ich mir gleichzeitig zum gastronomischen Wissen aneignen konnte.

Genau, du hast dich mit «Pretty Kitchen» selbstständig gemacht. Was bietest du an?
In erster Linie arbeite ich als Private Chef – also als Privatköchin. Das heisst, ich koche für Privatpersonen, zu Hause, einfach so oder für bestimmte Anlässe und natürlich mache ich auch Caterings für Business-Events. Damit ich auch grössere Events bestreiten kann, arbeite ich mit einem Netzwerk von Freelancern zusammen, Servierpersonal, Fotografen und DJs gehören dazu. Ausserdem verkaufe ich meine «Pretty Bocaux» bei Vinabagnes in Verbier: hausgemachte Fertiggerichte wie Suppen, Lasagne, Pouletcurry, aber auch eine feine Auswahl an Terrinen und Aufstrichen fürs Apéro. Die kann ich immer dann zubereiten, wenn gerade mal weniger läuft – und ausserdem ist jedes verkaufte Glas auch ein wenig Werbung für mich.

Und wo bereitest du all die feinen Speisen zu? Bei dir zu Hause?
(Lacht) Um Himmels willen, nein. In meiner kleinen Wohnung habe ich genau eine Herdplatte, das würde niemals funktionieren. Ich habe das grosse Glück, dass ich eine professionelle Küche in Verbier mieten kann. Hier habe ich alles, was ich zum Arbeiten brauche.

Und, wie läuft’s bei «Pretty Kitchen»?
Pretty good! Nein, im Ernst, ich hatte einen guten Start. Der Winter in Verbier war sehr erfolgreich – und im Sommer wurde ich als Privat Chef auf Ibiza gebucht. Da habe ich während drei Monaten für einen berühmten DJ gekocht. Einerseits für ihn und seine Familie in der Villa auf Ibiza, aber auch dann, wenn er mit seiner Crew unterwegs war. Dann habe ich meistens vorgekocht und das Essen ging dann mit der Crew auf Reisen.

Das klingt ja extrem spannend! Und so soll es jetzt auch weitergehen?
Ja, unbedingt. Jetzt für den Winter bin ich natürlich wieder zurück in Verbier – aber nach der Saison geht’s sicher wieder nach Ibiza. Und wer weiss, vielleicht geht’s ja auch noch in andere Länder – kochen kann ich überall.

Wie würdest du deine Küche denn beschreiben?
Raffiniert und elegant, aber vor allem auch grosszügig. Ich lasse mich gerne von der mediterranen Küche inspirieren und liebe Produkte, die viel Sonne gesehen haben. Das war auf Ibiza besonders schön, wo ich fast jeden Tag auf den Markt gegangen bin und auch direkt mit Produzenten zusammenarbeiten konnte.

Du hast es als junge Köchin schon weit gebracht. Was rätst du anderen jungen Frauen, die noch in der Lehre sind oder am Anfang ihrer Karriere stehen?
Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich mich als Frau in der Küche mehr beweisen musste. Gerade auch gegenüber Lieferanten und Produzenten musste ich darum kämpfen, ernst genommen zu werden. Darum rate ich allen jungen Frauen, ihren Job mit viel Selbstbewusstsein zu machen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Es ist ein harter Job mit langen, anstrengenden Arbeitstagen und auch viel körperlicher Arbeit. Aber wir können das. Wir Frauen können genauso gut kochen wie die Männer – und ganz ehrlich, in Sachen Management und Organisation können sie auch noch etwas von uns lernen. Und auch dann, wenn es darum geht, zuzuhören.

Herzlichen Dank für das gute Gespräch, Anne-Sophie – und viel Erfolg bei deinen Projekten!

prettykitchenbyannesophie.com