«Wir sind ein richtig gutes Team»

«en Guete» zu Besuch auf dem Bauernhof.

Adi und Brigitte Inderbitzin sind Rinderzüchter. Sie leben mit ihren Kindern Claudia, Corina und Edi auf einem Bauernhof am Rande von Schänis in der Linthebene. Im Interview berichten sie von ihrem Alltag als Fleischproduzenten, ihren grössten Herausforderungen und der Bedeutung der Landwirtschaft für die Schweiz.

Brigitte, wer lebt und arbeitet bei euch auf dem Hof?

«Mein Mann und ich führen den Betrieb zu zweit und wohnen hier gemeinsam mit unseren drei kleinen Kindern. Unsere älteste Tochter Claudia geht in den Kindergarten. Die beiden Kleinen laufen mit uns mit und helfen, wo sie können. Adi konnte den 14 Hektaren grossen Hof von seinen Eltern übernehmen – und wenn die beiden nicht auf der Alp sind oder am Skilift arbeiten, wohnen und arbeiten auch sie mit uns. Wir besitzen neben unseren 16 Mutterkühen und den knapp 30 Kälbern einen Hund, fünf Geissen und eine Katze.»

Was bietet ihr euren Kunden an?

«Wir leben fast ausschliesslich vom Fleischverkauf. Zudem arbeite ich beim Bürinnäapéro Linth mit. Bei unseren Apéros gibt’s ausschliesslich Produkte aus der Region, vom Käse übers Brot bis hin zum Fleisch. Wir servieren auch bewusst keinen Orangensaft, sondern köstlichen Apfelmost aus der Gegend. Die Gäste mussten sich zuerst dran gewöhnen, sind inzwischen aber begeistert.»

Ihr setzt mit eurem Betrieb ganz auf die Mutterkuhhaltung.

«Ja. Wir haben vor fünf Jahren von der Milch- auf die Fleischproduktion umgestellt. Etwa die Hälfte unserer Kälber verkaufen wir an die Metzgerei von Bruno Rickli, die andere Hälfte verkaufen wir selber, als Mischpakete. Diese gibt’s in verschiedenen Grössen, das kleinste ist ein Achtel des Rinds. In den Paketen sind alle Stücke der Tiere mit dabei. Unsere Kunden bekommen also nicht nur Filet und Entrecôte, sondern auch Plätzli, Geschnetzeltes, Gehacktes, Goulasch, Siedfleisch oder Leber. Bei der Verarbeitung arbeiten wir ebenfalls mit Bruno zusammen und gehen auf Kundenwünsche ein. So können unsere Kunden etwa wählen, ob sie das Entrecôte am Stück oder geschnitten haben möchten usw.»

Wer gehört denn zu eurer Kundschaft?

«Es sind meist Familien. Sie kommen nicht nur aus der Region, sondern aus der ganzen Schweiz. Sie legen Wert auf höchste Qualität und die Herkunft der Tiere ist ihnen wichtig. Die meisten kennen wir persönlich und mit vielen sind auch schon enge Freundschaften entstanden.»

Worauf legt ihr bei der Haltung eurer Tiere besonderen Wert?

«Besonders wichtig ist uns, dass die Tiere so entspannt und natürlich wie möglich aufwachsen und leben dürfen. Wird ein Kalb geboren, bleibt es zuerst ein paar Tage alleine mit der Mutter in einer separaten Box. Danach kommen die Mutterkühe mit ihren Kälbern in den Laufstall, wo sie sich frei bewegen können. Tagsüber sind sie wenn immer möglich draussen auf den Weiden und fressen, was die Natur hergibt. Damit die Tiere den Umgang mit Menschen nicht scheuen, achtet Adi darauf, mit jedem Tier täglichen Kontakt zu haben.»

Wie sieht ein normaler Tag bei euch aus?

«Wir starten als Familie gemeinsam um 7 Uhr. Adi hat den Stall und die Tiere unter sich, ich kümmere mich um Haus und Garten. Er geht deshalb morgens als Erstes in den Stall, ich mache die Kinder bereit und um 7.30 Uhr frühstücken wir gemeinsam. Gegen Mittag kommt Claudia aus dem Kindergarten und wir essen zusammen. Am Nachmittag arbeiten wir je nach Wetter weiter im Stall, auf dem Feld oder im Garten.

Besucher sind bei uns jederzeit willkommen. Gerade für unsere Kunden ist es ein irrsinniges Erlebnis, die ganze Herde auf der Weide zu sehen. Abends versorgt Adi die Tiere – und sind die Kinder nach dem Znacht einmal im Bett, können wir den Feierabend geniessen.»

Euer Hof und euer Fleisch sind weitherum bekannt. Was macht ihr anders?

«Mir puured mit Liideschaft. Adi und ich sind ein richtig gutes Team. Ich denke, unsere Kunden merken, dass wir unsere Arbeit gerne machen und dass es unseren Tieren gut geht. Regionalität und Nachhaltigkeit bestimmen unsere tägliche Arbeit – und diese Werte geben wir auch aktiv an unsere Kinder weiter.»

Was sind eure grössten Herausforderungen?

«Wir arbeiten selbstständig und müssen unsere Kundenbeziehungen intensiv pflegen. Gleichzeitig verändern sich der Markt und die politischen Rahmenbedingungen, das bringt Unsicherheit. Damit wir höchste Fleischqualität liefern können, investieren wir viel in den Hof – unser Fleisch hat deshalb ganz klar seinen Preis. Umso wichtiger sind uns stabile Partnerschaften, wie wir sie mit unserem Metzger Bruno Rickli haben.»

Warum ist die Landwirtschaft wichtig für die Schweiz?

«Wir Schweizer Landwirte produzieren verschiedene qualitativ hochwertige Produkte. Wir pflegen auch die Landschaft und sorgen für eine grosse Artenvielfalt bei den Pflanzen und Tieren.»

Wie geht’s weiter mit eurem schönen Hof?

«Die heutigen Konsumgewohnheiten führen uns Menschen immer weiter weg von dem, was eigentlich hier vor unserer Haustüre vorhanden ist. Wer saisonal und regional konsumiert, unterstützt die nachhaltige Landwirtschaft, in der Tiere artgerecht gehalten, Gemüse und Früchte mit Rücksicht auf die Natur angebaut werden. Das hat seinen Preis und wir sind auf Kunden angewiesen, die unsere Werte teilen und bereit sind, in uns und unsere Art der Produktion zu investieren. Aber zum Glück wächst das Bewusstsein für nachhaltig produzierte Produkte.»

Wir danken Brigitte Inderbitzin und ihrer Familie für den lieben Empfang und das gute Gespräch. Schön ischs gsi!

Kontakt:

Adi und Brigitte Inderbitzin,
Rinderzüchter aus Schänis SG,
Wolfschlaggasse 349

Tel. Adi: 079 746 61 23  
Tel. Brigitte: 079 782 77 06

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